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Papier   Klein   Alles        Breite No. 16     » Max     » 800 px     • 500 px      42x30 cm, Kohle / Papier


180 cm - 71 inch

17x12"


Nr. 16:  42x30 cm (17x12"), Kohle / Papier · 12.11.1972
     

  Kommentar   Simulation Wohnumgebung   Museumsszenario



An der Wand mit:  
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2014-06-26

Frontalportrait in Kohle - nun war ich zufrieden, so erkannte ich mich wieder. Sicherheitshalber ließ ich bei der zentralen Kopierstation in der Universität Bielefeld eine Fotokopie anfertigen. Merkwürdigerweise ist diese heute verschollen. Ein mir entfernt bekannter Professor stand zufällig hinter mir in der Schlange und fragte: „Haben Sie das gemacht?“ Anscheinend war er beeindruckt. Ich bildete mir dennoch nicht allzu viel darauf ein, denn im Grunde war ich wieder unzufrieden. Das war es ebenfalls nicht, was ich suchte. * Was war es dann?

Diese Zeichnung ist fünf Tage später entstanden als die vorige und war die zweite vom selben Tage. Anscheinend habe ich viel aus dieser Produktion vernichtet, denn das erste Blatt dieses Tages beispielsweise ist heute nicht mehr auffindbar. Es ist ein Wunder, dass das Original einigermaßen unbeschädigt erhalten geblieben ist - Kohlezeichnungen sind extrem empfindlich. Irgendwann habe ich diese auf eine Holzspanplatte aufgezogen (vermutlich wenig fachgerecht) und mit einem zarten Naturholzrahmen versehen.

Manches an dieser Zeichnung ist virtuos angehaucht, beispielsweise das Hemd, und es wird deutlich, welche technischen Finessen ich hätte entwickeln können, wenn ich gewollt hätte; andere Partien zeugen von meiner Ängstlichkeit, die aus mangelnder Erfahrung resultiert - Kohle ist ja nun nicht gerade einfach zu handhaben. Soweit ich mich erinnern kann, ist dies die einzige Kohlezeichnung, die ich nach der Schulzeit angefertigt habe.

Natürlich hatte ich Respekt vor der Technik und mir schon damals in Berlin überlegt, mein Problem könnte vielleicht sein, dass ich die Kunst nicht studiert hatte. Da ich aber das Mathematikstudium nicht abbrechen wollte und auch nie ernsthaft daran dachte, mich an einer Kunstakademie einzuschreiben, stellt sich die Frage, ob ich überhaupt angenommen habe, man könne die Produktion von Kunst an einer solchen Einrichtung lernen. Vermutlich nicht. Außerdem wollte ich ja auch gar nicht Künstler werden.

Ich zog einen anderen Schluss aus meinem Dilemma: Vermutlich sei ich eher handwerklich begabt und sollte mich deshalb der Fotografie widmen, was ich dann ja auch drei Jahre lang getan habe. Aber die Fotografie war es auch nicht, wie ich durch diese Erfahrung feststellen konnte.

 Fertigkeitsniveau zum Ende des Portraitzeichenkurses · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Dass Technik nicht nur für mich kein Problem ist, sondern ganz generell, habe ich später im Kunstunterricht der Oberstufe erfahren, wo ich 1979 am » Ulrichsgymnasium Norden als Studienrat innerhalb eines Semesters einem ganz normal zusammengesetzten Kurs ohne weiteres beibringen konnte, realistische Portraitzeichnungen anzufertigen, die sich überall sehen lassen können, wo nur noch die konsequente Übung fehlte, um den Prozess schneller ablaufen zu lassen: Dann hätten diese jungen Leute sich sogar ein Taschengeld auf dem Montmartre verdienen können. Dabei hatte ich es doch selber gar nicht gelernt!

Im Grunde kann das nicht verwundern, denn noch vor 200 Jahren gehörte es zur bürgerlichen Grundbildung, vernünftig zeichnen zu können, es wurde von jedem erwartet. Selbstredend hat Goethe seine » Christiane gezeichnet. Man zeichnete genauso selbstverständlich wie man schrieb, las, sang oder musizierte. Heute verlangt man lediglich die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben, die aber von jedem, der nicht gerade hochgradig behindert ist. Das ist eindeutig ein Verlust an kulturtechnischen Leistungen, der nicht zuletzt dem Wandel in der Kunstauffassung durch die Moderne Kunst geschuldet ist.


Interessanterweise wurde dieser Kurs „Portraitzeichnen und Körperstudien“ von den Schülern gewünscht und vom Schülervertreter vorgetragen, der dem Ausschuss der Lehrer angehörte. Man denke! Die Schüler möchten so etwas lernen, aber keiner meiner Kollegen traute sich einen solchen Kurs zu, vermutlich weil sie es selbst nicht konnten. Was sagt uns das über den modernen Kunstunterricht? Ich dagegen erklärte mich gern bereit und habe viel Freude daran gehabt. Gerne hätte ich auch selbst gezeichnet, aber leider konnte ich mich nur nur einmal für 20 Minuten hinsetzen, weil ich sonst immer Hilfestellungen geben musste. Diese Zeichnung habe ich sogar ins Werkverzeichnis aufgenommen:  Nummer 260.

Die Nasenpartie ist in einem Frontalportrait besonders problematisch und mir hier recht gut gelungen, während die Schatten unter dem Kinn beziehungsweise die Kinnlinie etwas zu wünschen übrig lassen, jedenfalls auf der Reproduktion. Die Augenpartien sind etwas schwach, besonders die linke, aber vermutlich waren sie auch noch ganz jung und frisch, gar nicht zu vergleichen mit ihrem jetzigen Zustand, der zeichentechnisch vermutlich wenig Probleme bereiten würde.

Beeindruckend finde ich immer noch die Präsenz dieses Portraits, die neben den Augen vor allem dem Mund geschuldet ist. Der Blick ist wieder einmal bemerkenswert, und eine gewisse Traurigkeit ist spürbar. Je länger ich mir das Gesicht anschaue, desto mehr gefällt es mir (im Moment habe ich gerade die maximale Auflösung, ich sehe also nur einen Teil der Zeichnung, nur das Gesicht).

Dieser junge Mann schaut aus dem Spiegel heraus und weiß nicht, warum er überhaupt hineinschaut. Es mangelt ihm an Selbsterkenntnis, was er aber nicht weiß, und er weiß auch nicht, dass dies der Grund ist, weshalb er in den Spiegel schaut. Er möchte wissen, wer er ist. Aber immerhin spürt er, dass er auf diese Weise nicht weiterkommen wird. Es dauert allerdings noch eine Weile, bis ihm diese Erkenntnis dämmert. Für mehr als ein halbes Jahr stellte ich die Produktion ein und wandte mich wieder dem Studium der Kunstgeschichte zu. Die Erkenntnismöglichkeiten dieses Weges hatte ich anscheinend ausgeschöpft.


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Nachtrag Wohnungsszenario, 05.08.2011


No. 2 » 16 42x30cm, 12.11.1972 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 2 » 16 42x30cm, 12.11.1972
 


Perfekt: So kommt selbst meine kleine Kohlezeichnung zu Ehren! Macht sich gar nicht so schlecht in dem riesigen Raum, hat durchaus Fernwirkung. (Phänomen entdeckt im Zuge der Diskussion von  Nummer 172)


No. 3 » 131 169x66cm, 22.03.1974 » 22 70x43cm, 28.09.1973 » 16 42x30cm, 12.11.1972  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 131 169x66cm, 22.03.1974 » 22 70x43cm, 28.09.1973 » 16 42x30cm, 12.11.1972
 
Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme.


» Nachher/vorher: einblenden. Welch ein Ambiente! Im Original hängt hier nichts. Vermutlich möchte jemand ein Sofa verkaufen, oder Kissen. Schöne Fernwirkung! Das Originalfoto zeigt kahle Wände.


No. 6 » 16 42x30cm, 12.11.1972  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 16 42x30cm, 12.11.1972
 
Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme.


» Nachher/vorher: einblenden. Auch die Küche braucht Kunst! Das Originalfoto hat eine kahle Wand.


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No. 9 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 617 96x145cm, 14.11.1985 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 617 96x145cm, 14.11.1985
 


No. 10 » 245 81x70cm, 29.11.1977  » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 614 80x54cm, 18.10.1985 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 10 » 245 81x70cm, 29.11.1977 sold/verkauft » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 614 80x54cm, 18.10.1985
 


No. 11 » 610 72x100cm, 14.10.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 194 99x79cm, 08.09.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 11 » 610 72x100cm, 14.10.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 194 99x79cm, 08.09.1974
 


No. 12 » 559 70x60cm, 18.01.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 549 80x60cm, 08.01.1985 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 12 » 559 70x60cm, 18.01.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 549 80x60cm, 08.01.1985
 


No. 13 » 558 70x50cm, 17.01.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 225 78x65cm, 12.05.1976 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » 558 70x50cm, 17.01.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 225 78x65cm, 12.05.1976
 


No. 14 » 550 100x80cm, 11.01.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 372 100x80cm, 18.07.1983  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 14 » 550 100x80cm, 11.01.1985 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 372 100x80cm, 18.07.1983 sold/verkauft
 


No. 15 » 229 100x80cm, 21.10.1976  » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 298 100x80cm, 29.03.1983 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 15 » 229 100x80cm, 21.10.1976 sold/verkauft » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 298 100x80cm, 29.03.1983
 


No. 16 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 289 146x130cm, 30.11.1982 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 16 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 289 146x130cm, 30.11.1982
 


No. 17 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 282 130x114cm, 15.10.1982  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 17 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 282 130x114cm, 15.10.1982 sold/verkauft
 


No. 18 » 201 108x80cm, 31.10.1974 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 259 131x100cm, 08.10.1980 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 18 » 201 108x80cm, 31.10.1974 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 259 131x100cm, 08.10.1980
 


No. 19 » 226 79x159cm, 17.05.1976  » 16 42x30cm, 12.11.1972 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 19 » 226 79x159cm, 17.05.1976 sold/verkauft » 16 42x30cm, 12.11.1972
 


No. 20 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 217 129x103cm, 29.04.1975 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 20 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 217 129x103cm, 29.04.1975
 


No. 21 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 214 103x130cm, 14.02.1975 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 21 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 214 103x130cm, 14.02.1975
 


No. 22 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 213 103x129cm, 04.02.1975 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 22 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 213 103x129cm, 04.02.1975
 


No. 23 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 4a 210x130cm, 01.12.1968  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 23 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 4a 210x130cm, 01.12.1968 sold/verkauft
 


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