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Öl   Klein   Alles        Breite No. 159     » Max     • 800 px     » 500 px      60x65 cm, Lack / Hartfaser


180 cm - 71 inch

24x26"


Nr. 159:  60x65 cm (24x26"), Lack / Hartfaser · 13.06.1974, Rückseite von » 160
     

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  Kommentar   Simulation Wohnumgebung   Museumsszenario   No. 158   Top   No. 160

2014-06-26





(zu Nr.  157,  158: [...] daß Malerei der Selbsterkenntnis zu dienen habe, nicht erfüllen.)

Zu Nr. 159, 160: Diese schon eher; obwohl es sich beim ersten Bild um ein Stilleben handelt, kann man die beiden Köpfe doch als stellvertretend für Beziehungsprobleme lesen; das nächste Bild wäre dann sozusagen der väterliche Freund, der dem Verwirrten beisteht. In diesem Bild habe ich zur Abwechslung wieder einmal Ölfarben benutzt, und zwar etwas großzügiger. Gefiel mir. *

Die letzte Bemerkung bezieht sich auf das folgende Bild. Und die erste darauf, dass ich die dargestellte Situation direkt auf mich bezog, als Paarproblem interpretierte.

Das schreibe ich heute einfach der Tatsache zu, dass ich mit der Deutung dieser Bilder vollkommen überfordert war. Immerhin scheint es sich ja um zwei Skulpturen zu handeln, was in meinem Werk ja nicht ganz neu ist. Bisher waren es aber immer männliche Köpfe und auch immer nur einer. Erstmals sind es zwei, und ganz offensichtlich handelt es sich dabei um einen Mann und eine Frau. Die Frau macht den vitaleren Eindruck, der Mann scheint in der Defensive zu sein.

Ich schreibe hier über Bilder, und stelle immer wieder fest, dass das im Grunde gar nicht geht. Natürlich könnte ich auch über dieses Bild viel sagen, aber erstens können die Worte das Sichtbare gar nicht adäquat erfassen, und zweitens könnte man sich auf diese Weise dem eigentlichen Geheimnis nur nähern.

Ich habe mich ja schon verschiedentlich gewundert, wie man überhaupt Geschlechter darstellen kann. In diesem Fall finde ich es eindeutig, und das liegt nicht nur an den erkennbaren Attributen, etwa dem Haarknoten der Frau oder dem griechisch anmutenden Militärhelm des Mannes.

Als nächstes wundere ich mich immer wieder über die präzise Ausdrucksqualität, die mit ganz einfachen Mitteln erzeugt werden kann. Beide Figuren blicken nicht nur sehr intensiv, sondern dieser Blick drückt auch unmissverständlich etwas aus.

Was ist es? Diese Interpretationsleistung vollbringen wir natürlich nicht nur bei Bildern, sondern auch in der Realität. Ununterbrochen mustern wir unsere Umwelt und interpretieren sie, im Interesse unseres Überlebens, vermutlich. Und wenn es sich um Menschen handelt, ist es wichtig, ihre Stimmung, ihre Absichten und ihre Fähigkeiten korrekt einzuschätzen.

Diese Erkenntnisleistung macht natürlich vor Bilder nicht halt. Sie kostet uns auch keine besondere Anstrengung. Vermutlich ist nicht jeder gleich gut in der Entzifferung und Beurteilung der Signale der Umwelt, und was die Einschätzung der Menschen betrifft, so wird allgemein behauptet, dass Frauen darin besser seien als Männer, weil sie sich im allgemeinen besser in fremde Menschen einfühlen können.

Es geht also gar nicht, wie das Wort „einfühlen“ schon deutlich macht, um intellektuelle Leistungen, sondern um ein Fühlen und Mitfühlen, das wiederum vermutlich zumindest zum Teil ein entsprechendes eigenes Erleben voraussetzt.

Das trifft natürlich auch auf die Kunst zu. Wer keinen Wein trinkt, wie » Ernst Gombrich einmal formuliert hat, wird kein Weinkenner sein können. Vielleicht müsste man sogar auch andersrum formulieren: Wer sich mit einem Bild nicht beschäftigt, wird es nicht schätzen können.

In diesem Sinne habe ich mich mit diesem Bild bisher nicht beschäftigt und es auch nicht besonders geschätzt. Aber ich sehe jetzt, dass es sehr stark ist und ich eine Menge darüber sagen könnte, aber eigentlich gar keine Lust dazu habe, sondern es viel lieber auf mich wirken lasse und mich dem Staunen und Genuss hingebe.

Ich wundere mich nicht, dass ich dieses Bild auf der persönlichen Ebene glaubte verstehen zu müssen - so wäre es am ehesten verständlich. Wenn damit eine Beziehungssituation charakterisiert wird, kann man genau sagen, wie hier die Verhältnisse gelagert sind.

Die Frau ist unabhängig und wendet sich leicht ab, um ihren eigenen Gedanken und Plänen nachzusinnen, während der Mann sich weniger fordernd als vielmehr bittend an sie wendet.

Es scheint mir deutlich zu sein, das die Begegnung in einem Innenraum stattfindet; die Figur links außen oben man vielleicht als Fenster deuten, den schwarzen Streifen hinten als Türöffnung, die braune Fläche als Tischplatte - aber alle diese Deutungen sind nicht zwingend. Eine Szene im Freien allerdings kann man sich kaum vorstellen.

Ich versuche auch, den Kopf der Frau mit der weißen Fläche darunter als Körper zu sehen; damit wäre sie lebendig im Gegensatz zu meinen, die eindeutig als Skulptur gekennzeichnet ist allerdings würde dann der intensive Austausch zwischen den beiden Köpfen an Plausibilität verlieren. Es ist aber nicht dieses Bedenken, was es mir schwer macht, diese Lesart zu verwirklichen und durchzuhalten; sie ist einfach nicht überzeugend genug, dass das Auge sich darin einrichten könnte.

Wäre der Frauenkopf ebenfalls eine Skulptur, müsste er natürlich irgendwo stehen. Am besten auf demselben Tisch, der allerdings nicht weit genug reichen würde, es sei denn, ein Teil des Tisches wäre durch eine weiße Decke verhüllt, auf der die Skulptur stehen könnte.

Das wiederum hat wenig für sich, da die Tischdecke dann links über die Tischkante fallen müsste, und so wie die braune Fläche gestaltet ist, wäre anzunehmen, dass der Tisch eckig ist. Die weiße Fläche links lässt sich so allerdings nicht gut interpretieren.

So bleiben die räumlichen Verhältnisse in der Schwebe, genauso wie die Realitätsebene. Es wäre ja auch denkbar, dass der Mann keine Skulptur ist, sondern in einem Bottich sitzt, der mit einem Deckel verschlossen ist, gewissermaßen einem primitiven Dampfbad. Dabei fällt mir natürlich sofort die „Ermordung des Marat“ ein, zu der das intime Verhältnis der beiden Figuren nicht passen würde. Diese Frau ist ja nicht wirklich bösartig, sie ist nur unabhängig.

Marat: Eine interessante Idee. Mal sehen, was es gibt.


No. 1 » David: Der Tod des Marat 162x128cm. 1793 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » David: Der Tod des Marat 162x128cm. 1793 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 2 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 2 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 3 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 4 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 5 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » Rebull: Tod des Marat 59x66cm. 1875 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


Nicht schlecht. Nun will ich aber wissen, wie sich dieses Bild mit meinen eigenen Werken verträgt.


No. 6 » 158 63x50cm, 12.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 158 63x50cm, 12.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 7 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 8 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 8 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 9 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 10 » 148 90x66cm, 19.04.1974  » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 10 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 11 » 138 80x99cm, 14.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 11 » 138 80x99cm, 14.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


Ich finde, das Bild hat sich bewährt. Bin zufrieden. Und erstaunt, denn ich habe das Bild richtig liebgewonnen.

Eine Eigenheit muss ich noch ansprechen. Die Mundpartie des Mannes wirkt sehr eigenartig. Man kann sie eigentlich nicht richtig interpretieren. Wie man auch schaut, es will kein richtiger Mund, kein richtiges Kinn entstehen. Allerdings stellt sich bei mir eine Assoziation ein, die ich erläutern muss, weil vermutlich niemand sonst diese Erfahrung gemacht hat.

Meine Eltern hatten einen Freundeskreis von etwa einem halben Dutzend anderen Ehepaaren. Die begleiteten gewissermaßen meine Jugend. Natürlich waren die Männer alle im Krieg gewesen und die Frauen zum Teil auch. Alle waren nicht nur mit dem Leben davon gekommen, sondern auch noch im Besitz aller Gliedmaßen.

  · © Copyright Werner Popken. 
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Nur einer von denen war schon rein äußerlich als Kriegsteilnehmer erkennbar. Diesem Mann hatte es das Kinn und den Mund weggerissen, und man hatte ihm mit primitiven Mitteln einen Ersatz gebastelt.

Ich habe ihn nie gefragt, wann und wo das gemacht wurde - Kriegsthemen schienen allgemein tabu zu sein. Niemand wollte darüber sprechen. Aber ich nehme an, dass man sofort handeln musste und an der Front kaum Möglichkeiten hatte. Man darf also den Chirurgen keinen Vorwurf machen. Sie hatten bestimmt ihr Bestes gegeben.

Und tatsächlich schien der Mann damit ohne Schwierigkeiten leben zu können. Es war der Kaufmann im Dorf, viele Menschen hatten also täglich mit ihm zu tun. Er war ein sehr freundlicher Mann, ein lieber Mann, und ich bewahre sein Andenken mit einem lebensfrohen Lächeln im Gesicht.

Aber man musste sich an sein Gesicht erst gewöhnen. Es sah im Grunde schrecklich aus. Man hatte wohl von irgendwoher Hautlappen herausgeschnitten, vielleicht jeweils 2x10cm, und damit gewissermaßen alles zugepflastert, was fehlte.

Die Lippen waren so gut wie gar nicht vorhanden, er hatte ein Loch im Gesicht, und wenn man weiß, wie viele Muskeln zur Mimik beitragen, muss man sich wundern, dass die Operation überhaupt funktioniert hat.

Als ich anfing zu studieren, begannen viele junge Leute, sich im Gegensatz zur allgemeinen Mode einen Bart stehen zu lassen. Er war der einzige in der Elterngeneration, der sich ebenfalls einen Oberlippenbart wachsen ließ. Das hat mich gewundert und ließ mich wieder genauer hinschauen. Es half eigentlich nicht, sondern lenkte die Aufmerksamkeit erneut auf seine Verwundung.

An dieses Flickwerk erinnert mich der Mann in diesem Bild, der so gar keinen Mund bekommen will, egal wie und mit wie viel Mühe man ihn anschaut, der aber trotzdem ein Mann und ein Mensch ist, einen Ausdruck hat und sich anscheinend äußern kann, obwohl er eine Skulptur ist. Ich hätte diesen Kaufmann fragen sollen. Inzwischen ist er sicher längst verstorben, aber sollte ich seiner Tochter, mit der ich eingeschult worden bin, noch einmal begegnen, dann hätte ich vielleicht Gelegenheit, die zu befragen.


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Nachtrag Wohnungsszenario, 24.03.2012


No. 13 » 159 60x65cm, 13.06.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. » Esprit loft sous toit de charme heißt die Reportage, in der Verwandlung einer alten belgischen Villa in eine Art Loft beschrieben wird. Dieser Raum wirkt auf mich merkwürdig unwohnlich, obwohl mein Bild sich wacker schlägt.


No. 16 » 159 60x65cm, 13.06.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 16 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. » Todd Selby sucht » Stephan Landwehr in » Berlin heim (für das SZ-Magazin » So wohnt Berlin: zu Hause bei Stefan Landwehr; siehe auch Esszimmer » 172); das ist eine alte Wäscherei und so fürchterlich eingerichtet, dass ich Mühe hatte, ein zumutbares Beispiel herauszusuchen. Wer sich mit solchen Bildern und Skulpturen zumüllt, kann nichts von Kunst verstehen.

Mir fällt dabei das Bekenntnis von » Daniel Barenboim ein, dass er sich mit seinem Sohn nicht verständigen kann, der seine Musik benutzt, um seinen Vater zu provozieren - so lese ich das - für den Vater ist sowas keine Musik (siehe Zeit: » Klang ist Leben, Stille ist Tod, Stern: » David und Daniel Barenboim im Interview "Klassik ist manchmal fad").

Gerade bei Stephan Landwehr verstehe ich diese Auswahl nicht, denn er betreibt ein ganz ausgesuchtes Geschäft: » Handwerklich hergestellte Bilderrahmen. Vielleicht hilft eine Bemerkung von » Richard Etlin in Bezug auf » Sigmund Freud hier weiter:

In contrast, I believe that it is desirable to ascertain whether one work is better than another. To lead to richer life, we need the full range of aesthetic experiences that Hegel and Ruskin outlined, especially those that place us within the presence "of some great Spiritual Power." To this end, we must identify and seek out superior works of art that afford us these opportunities. Furthermore, we must attempt, as I have done in the following sections of this chapter, to heighten our awareness of those categories that invest works of art with value according to the parameters of comprehension about life and feeling of life. [...]

Why would one want to avoid this task? Why deny its value, its validity? [...] One of the most astounding passages on the subject of these deep truths in the critical literature of times, as in the opening pages of Civilization and Its Discontents (1930), where Freud recounts the response by a reader of his "small book that treats religion as an illusion":

[H]e answered that he entirely agreed with my judgment upon religion, but that he was sorry I had not properly appreciated the true source of religious sentiments. This, he says, consists in a peculiar feeling, which he himself is never without, which he finds confirmed by many others, and which he may suppose is present in millions of people. It is a feeling that he would like to call a sensation of "eternity," a feeling as of something limitless, unbounded -- as it were, "oceanic."

The type of feeling described here belongs to the same domain of sentience discussed by Langer and in many respects is comparable to the upper end of the continuum of aesthetic response that places us within the "presence and operation of some great Spiritual Power." This passage is a useful testimonial to the intertwining of religious and aesthetic experience.

The truly astonishing aspect of the account, though, resides in Freud's response: "I cannot discover this 'oceanic' feeling in myself." It is difficult to understand how somebody who did not know this feeling could possibly articulate an adequate theory of the human psyche. Certainly, this explains why Freud could find in art no more than a "mild narcosis."

Similarly, one wonders whether the champions of "critical" experience something like this "oceanic" feeling through certain works of art? If they do not, then one can understand their skepticism. If they do, then one wonders why they deny the significance of the experience, for in its deepest form, it is essentially spiritual in character.

Im Gegensatz dazu halte ich es für wünschenswert festzustellen, ob ein Werk besser als ein anderes ist. Um ein reicheres Leben zu führen, brauchen wir das gesamte Spektrum der ästhetischen Erfahrungen, wie von Hegel und Ruskin skizziert, vor allem diejenigen, die uns in der Nähe "einer großen spirituellen Kraft" führen. Zu diesem Zweck müssen wir Kunstwerke identifizieren und aufspüren, die dies leisten. Darüber hinaus müssen wir versuchen, wie ich in den folgenden Abschnitten dieses Kapitels getan habe, unser Bewusstsein jener Kategorien, die Kunstwerke nach den Parametern des Verständnisses über das Leben und Lebensgefühl mit Wert aufladen, zu steigern. [...]

Warum sollte man diese Aufgabe vermeiden? Warum seinen Wert, seine Gültigkeit leugnen? [...] Eine der erstaunlichsten Passagen über das Thema dieser tiefen Wahrheiten in der kritischen Literatur finden sich in den ersten Seiten von Unbehagen in der Kultur (1930), wo Freud von der Reaktion eines Lesers seines "kleinen Buchs, das die Religion als Illusion behandelt", erzählt:

Er antwortete, dass er mit meinem Urteil über Religion ganz einverstanden sei, bedaure aber, dass ich die wahre Quelle der religiösen Gefühle nicht zu schätzen wisse. Dies, sagt er, besteht in einem eigenartigen Gefühl, das er selbst nie entbehre, was er durch viele andere bestätigt findet und was vermutlich in Millionen von Menschen gegenwärtig ist. Es ist ein Gefühl, das er als Gefühl von "Ewigkeit", wie von etwas Grenzenlosem, Unbegrenztem bezeichnen würde - mit einem Wort: "ozeanisch".

Die Art des hier beschriebenen Gefühls gehört zu dem gleichen Spektrum des Empfindens, das von Langer diskutiert wird, und es ist in vieler Hinsicht vergleichbar mit dem oberen Ende des Kontinuums der ästhetischen Reaktion, das uns in die Nähe der "Präsenz und Wirkung einer großen spirituellen Kraft" bringt. Diese Passage ist ein nützliches Zeugnis für die Verflechtung von religiösen und ästhetischen Erfahrung.

Das wirklich erstaunliche Aspekt der Betrachtung findet sich aber in Freuds Antwort: "Ich kann dieses 'ozeanische' Gefühl in mir nicht entdecken." Es ist schwer zu verstehen, wie jemand, der dieses Gefühl nicht kannte, eine adäquate Theorie der menschlichen Psyche glaubte formulieren zu können. Gewiss, das erklärt, warum Freud in der Kunst nicht mehr finden konnte als eine "milde Narkose."

Ebenso fragt man sich, ob die Verfechter der "kritischen" Erfahrung so etwas wie dieses "ozeanische" Gefühl durch bestimmte Kunstwerke erleben. Wenn sie das nicht tun, dann kann man ihre Skepsis verstehen. Wenn sie das tun, dann fragt man sich, warum sie die Bedeutung dieser Erfahrung leugnen, denn in ihrer tiefsten Form ist sie im wesentlichen spirituellen Charakters.

Richard Etlin: » In Defense of Humanism: Value in the Arts and Letters, Seite 19, 20. Übersetzung von mir.

Das Originalzitat:

[E]r wäre mit meinem Urteil über die Religion ganz einverstanden, bedauerte aber, daß ich die eigentliche Quelle der Religiosität nicht gewürdigt hätte. Diese sei ein besonderes Gefühl, das ihn selbst nie zu verlassen pflege, das er von vielen anderen bestätigt gefunden und bei Millionen Menschen voraussetzen dürfe. Ein Gefühl, das er die Empfindung der »Ewigkeit« nennen möchte, ein Gefühl wie von etwas Unbegrenztem, Schrankenlosem, gleichsam »Ozeanischem«.

Sigmund Freud: » Das Unbehagen in der Kultur

Als Anmerkung enthüllt Freud die Identität des Lesers:

Seit dem Erscheinen der beiden Bücher La vie de Ramakrishna und La vie de Vivekananda (1930) brauche ich nicht mehr zu verbergen, daß der im Text gemeinte Freund Romain Rolland ist.

» I. [Gefühl der Hilflosigkeit als Ursache des Bedürfnisses nach Religion]

Freud urteilt also über etwas, wovon er nichts versteht, mehr noch: was ihm unzugänglich ist, weshalb er nichts davon verstehen kann. Das ist vermutlich nicht so selten, wie man annehmen möchte. Jeder darf sich ein Urteil über alles bilden, ob er nun dazu berufen ist oder nicht.

Auch Menschen, die von Musik nichts verstehen, die absolut unsensibel sind, dürfen Musik machen und hören, und das betrifft natürlich auch die Kunst. Barenboim spricht etwas aus, was ich gut nachvollziehen kann und auch oft genug erlebt habe:

ZEIT: Könnten Sie Ihr Leben anhand von Musik erzählen?

Barenboim Ja, weil ich es gewöhnt bin, mit meinen Ohren umzugehen. Heutzutage sind viele Menschen das nicht mehr gewöhnt. Sie hören nicht hin, auch aus Selbstschutz vor dem permanenten Geräuschpegel im Alltag. Musik im Aufzug, im Hotel, im Flugzeug – furchtbar. Wenn Sie jemanden nicht sehen wollen, brauchen Sie nur Ihre Augen zuzumachen. Aber versuchen Sie mal, Ihre Ohren zuzumachen, das können Sie nicht.

ZEIT: Sie leiden körperlich?

Barenboim Es ist physische Penetration. Ich hasse es. Was macht es bitte für einen Sinn, das Violinkonzert von Brahms in einem Lift zu spielen? Drei Stockwerke, und dann raus, dazu ein Häppchen Brahms. Das ist Vergewaltigung!

ZEIT: Wehren Sie sich?

Barenboim: Wie soll ich? Im Restaurant sage ich manchmal: Bitte, könnten Sie die Musik leiser drehen? Einmal habe ich einen Brief gelesen, den jemand an eine amerikanische Firma geschrieben hatte, die in einem Spot mit Mozarts Requiem für den Verkauf neuer Toiletten geworben hatte. Er schrieb, das Requiem von Mozart habe einen starken religiösen Bezug. Da waren sie erschrocken. Sie antworteten, selbstverständlich würden sie das sofort ändern, da sie es nicht gewusst hätten. Einige Zeit später sah ich den Toiletten-Spot wieder. Und was lief für Musik? Aus dem Tannhäuser von Richard Wagner, der angeblich keinen religiösen Bezug hatte. Aber über die Tatsache, dass Musik benutzt wurde, um für Toiletten zu werben, kein Wort. Sie sehen, der Kampf ist hoffnungslos.

» a.a.O.

Ich muss ihm aber widersprechen: Man kann normalerweise auch die Augen nicht verschließen, auch diesen wird sehr viel zugemutet, auch durch Augeneindrücke kann man gefoltert werden. Aber vielleicht ist er diesbezüglich nicht so sensibel, dass ihm das nicht auffällt.


No. 19 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 19 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Aus der Serie » Beautiful Modern Style Sofas mit Sofas von » Vitra.

Muss man nicht auch bei den Designern befürchten, dass sie keinen Geschmack haben, dass sowohl Formen als auch Farben für die völlig belanglos sind, dass ihnen nichts weh tut, was auch immer man ihren Augen präsentiert? Im Gegenteil, man hat den Eindruck, nichts kann schrill genug sein, wenn es nach Designern geht.


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  Museumsszenario   No. 160   Top   No. 158 Nachtrag Museumsszenario, 17.11.2012


No. 22 » 158 63x50cm, 12.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 22 » 158 63x50cm, 12.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 23 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 23 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 24 » 148 90x66cm, 19.04.1974  » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 147 80x63cm, 29.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 24 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 147 80x63cm, 29.04.1974
 


No. 25 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 25 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


No. 26 » 136 90x52cm, 07.03.1974  » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 122 90x52cm, 07.03.1974  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 26 » 136 90x52cm, 07.03.1974 sold/verkauft » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 122 90x52cm, 07.03.1974 sold/verkauft
 


No. 27 » 133 104x80cm, 01.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 135 104x80cm, 07.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 27 » 133 104x80cm, 01.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 135 104x80cm, 07.04.1974
 


No. 28 » 134 80x99cm, 02.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 132 80x100cm, 31.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 28 » 134 80x99cm, 02.04.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 132 80x100cm, 31.03.1974
 


No. 29 » 115 123x96cm, 28.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 129 123x96cm, 18.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 29 » 115 123x96cm, 28.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 129 123x96cm, 18.03.1974
 


No. 30 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 128 100x76cm, 16.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 30 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 128 100x76cm, 16.03.1974
 


No. 31 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 116 130x122cm, 01.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 31 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 116 130x122cm, 01.03.1974
 


No. 32 » 107 101x123cm, 13.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 112 101x123cm, 20.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 32 » 107 101x123cm, 13.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 112 101x123cm, 20.02.1974
 


No. 33 » 108 129x119cm, 14.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 105 122x94cm, 08.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 33 » 108 129x119cm, 14.02.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 » 105 122x94cm, 08.02.1974
 


No. 34 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 34 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 159 60x65cm, 13.06.1974
 


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Werner Stürenburg: Entwicklung seiner Signatur

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