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Öl   Klein   Alles        Breite No. 155     » Max     » 800 px     • 500 px      63x45 cm, Lack / Pappe


180 cm - 71 inch

25x18"


Nr. 155:  63x45 cm (25x18"), Lack / Pappe · 09.06.1974, Rückseite von » 94
     

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An der Wand mit:  
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2014-06-26


Hier hatte ich es wieder: So ging es mir. Ich war total verschanzt. Schwere Stahlplatten hatte ich vor mein Gesicht geschoben. Misstrauisch blickte ich dahinter hervor. Schlimm, schlimm. *

Welch ein Kontrast zum vorhergehenden Bild, und welch eine Steigerung und Verdichtung gegenüber 145! Dies ist eine ganz eigene Erfindung, das Bild hat eine ungeheure Wucht, wenn man sich darauf einlässt, aber ich wollte mich eigentlich nicht darauf einlassen. Und ich konnte mir nicht vorstellen, dass irgendjemand sonst sich darauf hätte einlassen wollen.

Dabei hätte ich doch wissen müssen, dass Kunstliebhaber durch nichts zu erschrecken sind und gerade die extremen Herausforderungen suchen. Ob dieses Bild im historischen Vergleich nun wirklich extrem ist, möchte ich zudem bezweifeln. Picasso hat schlimmere Sachen gemacht.

Immerhin habe ich begriffen, dass dieses Bild etwas Besonderes ist. Es ist sicherlich nicht angenehm, kein leichter Schmuck für die Wohnung, aber wollte ich das? Anscheinend schon. Beispielsweise sind 144 und 148 ja durchaus dekorativ und angenehm anzuschauen. Da war Picasso doch wesentlich weiter, wenn er behauptete, dass Kunst nicht dazu da sei, die Wohnung zu dekorieren.

Aber aufhängen wollte er die Bilder wohl schon. Sie waren ja für die Wand gemacht und mussten sich an der Wand bewähren. 1945 hatte er ja dann die Ehre, seine Bilder im Louvre neben die der geadelten Kollegen aufhängen lassen zu können. Also ans Werk und getestet, was das Zeug hält! Fangen wir mit dem vorigen an.


No. 1 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974
 


Welche Freude, dieses Bild endlich einmal an der Wand zu sehen! Es macht sich wirklich gut. Und es beißt sich überhaupt nicht mit seinem Vorgänger. Die versteckten Tiere kommen merkwürdigerweise sehr deutlich heraus, jedenfalls kann ich sie gar nicht ausblenden. Falls Sie sie nicht sehen: Am Ende werde ich sie noch einmal herauspräparieren.


No. 2 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 » 143 124x90cm, 01.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 2 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 » 143 124x90cm, 01.05.1974
 


Vorder- und Rückseite zusammen - das ist schon ein Fortschritt.


No. 3 » 139 80x99cm, 16.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 3 » 139 80x99cm, 16.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 4 » 138 80x99cm, 14.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 138 80x99cm, 14.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 5 » 144 124x90cm, 01.01.1974  » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » 144 124x90cm, 01.01.1974 sold/verkauft » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 6 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 7 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 8 » 153 53x37cm, 01.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 8 » 153 53x37cm, 01.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


Ich bin zufrieden, dieses Bild hält sich erstaunlich gut. Nun kommen die Kollegen dran. Am besten wäre natürlich modernere Bilder, die plakativer und brutaler gemalt sind, aber da die alle noch so jung sind und das Zitatrecht sehr eng ausgelegt werden kann, will ich hier kein Risiko eingehen. Wer von den Alten käme hier in Frage?


No. 9 » Cranach d. Ä.: Judith 86x59cm. 1. Drittel 16. Jh. » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » Cranach d. Ä.: Judith 86x59cm. 1. Drittel 16. Jh. » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


» Cranach d. Ä. hat dieses Bild mindestens viermal in unterschiedlicher Fassung gemalt (siehe » Judith). Immer hat er versucht, das menschliche Drama hinter dieser Geschichte deutlich werden zu lassen, die Frau in ihrer Seelenverfassung zu schildern.

» Caravaggio: Judith köpft Holofernes.
144x195cm. 1598 · © Copyright Werner Popken. 
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» Riedel: Judith.
131x96cm. 1840 · © Copyright Werner Popken. 
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Diese Frauen haben gemordet. Sie haben ihre weibliche Verführungskraft eingesetzt, gelogen, getäuscht und sich verstellt, um den verführten Mann in seiner Schwäche auszunutzen und zu töten (» Holofernes).

Cranach beschreibt nun nicht die blutige Tat selbst, auch nicht die triumphierende Präsentation der entsetzlichen Trophäe vor den Angehörigen des eigenen Volkes, sondern den Moment des einsamen Innehaltens, wo der Mörderin ohne fremdes Zutun die Tragweite ihrer Tat bewusst wird, wo sie sich durch die Stimme ihres Gewissens als schuldbeladen erkennt, dies aber trotzig akzeptiert.

Dabei charakterisiert er die Frau auch als verschlagen, gemein, kalt, gefühlsarm, rücksichtslos und hinterhältig, ganz im Gegensatz zur heroischen Rolle in der jüdischen Überlieferung, die drei Monate Festivitäten nach sich zog.

Diese der erzählten Geschichte durchaus angemessene Deutung, die der Interpretation » Hebbels in dessen Schauspiel » Judith schon sehr nahekommt, wird sofort deutlich, wenn man sich als Kontrast beispielsweise die Interpretation von » Caravaggio ansieht, bei dem Judith eine unschuldige Schönheit vom Lande ist, oder die Judith von » August Riedel, die einfach nur verführerisch und ansonsten ziemlich leblos ist.


No. 12 » Hals: Malle Babbe. 75x64cm. 1629-1630 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 12 » Hals: Malle Babbe. 75x64cm. 1629-1630 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


Warum die Malle Babbe von » Frans Hals so berühmt ist, kann ich nicht recht nachvollziehen. Besonders aus der Nähe wird deutlich, dass er sein Ziel nicht recht erreicht hat. Der Ausdruck wirkt gekünstelt, er überzeugt nicht, selbst wenn man in Rechnung stellt, dass die Gesichtszüge im trunkenen Zustand kaum zu kontrollieren sind.

Besondere Bedeutung erlangte das Bild durch die Malweise, die für die Arbeiten des 17. Jahrhunderts untypisch ist und in ihrer stilistischen Ausführung eher an die Impressionisten des 19. Jahrhunderts erinnert. Das Bild wurde mit kurzen, sehr kräftigen Pinselstrichen gemalt und lässt die für seine Zeit typischen feinen Ausführungen von Details vermissen. Einzelne Aspekte wie etwa die Schleife der Schürze wirken durch nur wenige Pinselstriche flüchtig und schnell eingefügt, wodurch das Bild auf den Betrachter sehr dynamisch und lebendig wirkt.
» Malle Babbe

Mit anderen Worten: Die Späteren benutzen dieses Bild, um ihre eigenen Absichten zu erhöhen? Für mich ist Frans Hals ein kalter Virtuose, der sein Handwerk ohne innere Beteiligung ausübt. Ganz im Gegensatz zu van Gogh.


No. 13 » Gogh: Porträt des Eugène Boch. 60x45cm. 1888 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » Gogh: Porträt des Eugène Boch. 60x45cm. 1888 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


Der Vergleich mit » Vincent van Gogh ist nicht ganz fair, weil mein Bild auf die Entfernung weniger verliert und seins dadurch ins Hintertreffen gerät, weil dessen wunderbare Einzelheiten nicht mehr erkennbar sind. Mein Bild gewinnt zwar aus der Nähe ebenfalls, die Dichte der Farbe und die Virtuosität des Auftrags werden auch erst dann erkennbar, aber die Wirkung hängt nicht so sehr davon ab.

Es ist erstaunlich, was van Gogh über seine Bilder zu sagen hat. Er entspricht dem üblichen Klischee des Künstlers, der genau weiß, was er will, und das dann einfach umsetzt.

Die bloße Wiedergabe der sichtbaren Wirklichkeit war nicht das Ziel van Goghs. Vielmehr lag ihm daran, das Wesentliche und Charakteristische seiner Motive zum Ausdruck zu bringen sowie die Gefühle, die er ihnen gegenüber empfand. So sagte er zum Porträt von Eugène Boch: „Ich möchte in das Bild die Bewunderung legen, die Liebe, die ich für ihn empfinde. […] Hinter dem Kopf […] male ich das Unendliche, ich mache einen einfachen Hintergrund vom sattesten, eindringlichsten Blau, das ich zustande bringen kann, und durch diese einfache Zusammenstellung bekommt der blonde, leuchtende Kopf auf dem sattblauen Hintergrund etwas Geheimnisvolles wie der Stern am tiefblauen Himmel.“ (Brief 520). Und über seine späten Landschaftsbilder aus Auvers schrieb er: „Es sind endlos weite Kornfelder unter trüben Himmeln, und ich habe den Versuch nicht gescheut, Traurigkeit und äußerste Einsamkeit auszudrücken […]“ (Brief 649). Die angestrebte Eindringlichkeit des Ausdrucks erreichte der Maler, indem er sowohl Formen als auch Farben veränderte; während er bei der Form zur Vereinfachung tendierte, übersteigerte er die Farbe.
» Vincent van Gogh

Ich hingegen weiß nicht, was ich malen werde, ich weiß noch nicht einmal, was ich ausdrücken will, ich lasse das Bild einfach kommen und bin ein Werkzeug. Das ist etwas völlig Neues.

Natürlich haben andere Künstler das mehr oder weniger ebenfalls erlebt; Picasso hat sich beispielsweise darüber beklagt, dass er etwas will und nachher doch etwas anderes daraus wird, „die Malerei“ sich also durchsetzt und tut, was sie will. Aber der Ansatz war doch auch bei ihm, erst einmal etwas zu wollen, und sich dann hinterher auch noch zu beklagen, wenn es ihm nicht gelang. Ich hingegen staune und versuche zu verstehen, was da entstanden ist.

Und was ist da entstanden? Ich habe immer angenommen, dass der Typ Angst hat und sich verschanzt, und das ist zweifellos auch richtig gesehen, aber er ist auch böse und verbittert, was sich vor allem in seinem zusammengekniffenen Mund ausdrückt. Besonders irritierend sind die Augen - das eine Auge gehört ja offenbar zu dem Typ, das andere aber eher zu der reptilienartigen Figur vor seinem Gesicht. Ach ja, ich wollte ja noch die beiden „Tiere“ herausarbeiten, das Reptil und den Vogel.


 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
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 Vergleich: vergrößert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
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Die Malerei ist so sicher und spontan, man könnte meinen, der Meister hätte das Bild gemalt; besonders köstlich der ganz einfach gestaltete, aber sehr ausdrucksvollem Mund. Ja, ich denke, dieses Bild kann man als ein Meisterwerk bezeichnen. Einige andere vorher vielleicht auch schon, wenn ich es recht überlege.

Das ist eine Überraschung für mich. Ich hatte immer gedacht, dass die ersten Meisterwerke jenseits der Nummer 200 auftauchen. Mal sehen, wie ich heute darüber denke, wenn ich dort angelangt oder gar ganz am Ende angekommen bin. Im Moment habe ich in Bezug auf einige spätere Bilder sehr ungute Gefühle, aber die hatte ich bezüglich der jetzt diskutierten Bilder noch mehr, und diese Vorbehalte sind inzwischen alle weg. Ich kann diese Bilder schätzen. Diese Mühe hat sich also wohl gelohnt. Und Spaß gemacht hat es auch noch. Kein Vergleich zur Malerei selbst, aber immerhin.


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Nachtrag Wohnungsszenario, 02.03.2012


No. 18 » 155 63x45cm, 09.06.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 18 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Aus der Serie » Chez Panisse von » Todd Selby. Dabei handelt es sich eigentlich um ein (Stadtteil-)Fest für ein Restaurant; wie dieser Raum dazu steht, wird nicht hier klar.


No. 21 » 155 63x45cm, 09.06.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 21 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Ja, hier wohnt wohl jemand: » Berkeley home of Anthony and Daniella Sueuga. In » 40th anniversary of Alice Waters’s storied restaurant in Berkeley, Calif. wird erklärt, worum es geht - da haben wohl sehr viele Leute was auf die Beine gestellt. Anscheinend haben alle oder zumindest viele Köche, die in den vergangenen 40 Jahren dort tätig waren, etwas dazu beigetragen.

Diesmal also bei künstlicher Beleuchtung und mit einem etwas größeren Rahmen. Den verkappten Hitlergruß der roten Bürgergruppe habe ich verschwinden lassen. Zur Dekoration hat jemand noch ein paar Zweige mit bunten Kugeln hingestellt.


No. 24 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 123 45x52cm, 08.03.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 24 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 123 45x52cm, 08.03.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Ein » Badezimmer aus einer Reportage der spanischen Zeitschrift » Nuevo Estilo über eine renovierte Wohnung in » Barcelona; die Gemälde schmücken ungemein. Ein Badezimmer ist allerdings ein denkbar schlechter Ort, um Gemälde zu präsentieren, es sei denn, man würde mit Reproduktionen arbeiten, die wasserdicht eingeschweisst sind - kein Problem, scheint mir.


No. 27 » 155 63x45cm, 09.06.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 27 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. » Wohnzimmer einer » 2-Zimmer-Wohnung mit 62 m² in » Göteborg, Baujahr 1902. Ich frage mich, wo die Leute ihre Sachen lassen. Oder haben die gar keine? Als ich 1970 zusammen mit Erika meine erste eigene Wohnung einrichtete, hatten wir auch nicht mehr. Hier hätten wir alles unterbringen können - freilich hatten wir auch einen Keller und einen Garten, dafür aber keinen Balkon. Ob hier ein Keller oder Abstellraum zur Verfügung steht?

 Grundriss-Skizze · © Copyright Werner Popken. 
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Hier schaut man im Wohnzimmer auf die Tür zum winzigen Badezimmer (siehe Blickrichtung im Grundriss); die Wand ist etwas verlängert, um den Eingangsbereich abzutrennen. Rechts hinten geht's in die Küche. „Gut geplante und helle Dachwohnung mit gemütlichem Kamin und einer schönen Terrasse nach Osten.“

Rechts an der Wand ein Bild mit » Che Guevara (1928-1967); war da mal was? (Mein Diktiersystem Dragon NaturallySpeaking spuckt diese Namen wie aus der Pistole geschossen heraus - der muss also wirklich ein Begriff sein.)

Heute ist Mittel- und Südamerika nicht nur für unhaltbare soziale Zustände, sondern vor allem für Drogenkriminalität berüchtigt. Natürlich sind die USA auch dafür mitverantwortlich, aus den verschiedensten Gründen, aber hätte man sich damals, als Che Guevara zur Ikone der linken Jugendbewegung aufstieg, so etwas ausdenken können? Fühlen sich diejenigen, die Drogen damals und heute schick finden, für die Konsequenzen verantwortlich?

Nachdem wir nun wissen, dass kommunistische Regimes weltweit Unfreiheit und Unterdrückung etabliert haben - können wir immer noch davon träumen, dass Revolutionäre wie Che Guevara, der sich auch gern mit einer dicken Zigarre hat ablichten lassen und vermutlich ein ausgemachter » Macho war, die Welt zum Positiven hätten verändern können? (Die feministische Emanzipationsbewegung fing damals gerade erst an.)

Wie naiv muss man sein, um heute noch Che Guevara als Idol zu verehren? Wussten wir damals, wie blutrünstig dieser Gewalttäter war, wissen wir es heute? Ich jedenfalls nicht - ich ließ mich allenfalls von der allgemeinen Begeisterung anstecken und konnte mich der ästhetischen Stilisierung nicht entziehen. Ein flüchtiger Blick über den betreffenden Wikipedia-Artikel zeigte mir, dass diese Fotos immer noch Wirkung zeigen.

Aber nicht nur das: Die Begeisterung selbst kluger Leute für diesen Bewunderer Stalins war grenzenlos. Wenn man sich für jemanden begeistern will, möchte man dann in seiner Begeisterung durch Tatsachen gestört werden? Wollten die Möchtegern-Revolutionäre, die » Mao-Bibeln schwenkten, wirklich wissen, was Mao auf dem Kerbholz hatte? Wollen die Chinesen das wirklich wissen? Anscheinend nicht, selbst heute nicht.

Guevara war es im Frühjahr 1967 noch gelungen, eine Grußadresse an eine Solidaritätskonferenz der OSPAAAL (Organización de Solidaridad de los Pueblos de África, Asia y América Latina) zu versenden. Auch in Deutschland wurde das von Rudi Dutschke und Gaston Salvatore übersetzte Manuskript unter anderem mit der Aufforderung bekannt, „zwei, drei, viele Vietnams“ zu schaffen sowie mit der Mahnung, sich als Guerilla im Kampf von „unbeugsamem Hass“ antreiben zu lassen, um eine „effektive, gewaltsame, selektive und kalte Tötungsmaschine“[35] darzustellen. Innerhalb der europäischen Studenten- und Protestbewegung fanden Guevaras Aussagen breiten Widerhall. [...]

Die Bilder des toten Guevara - mit ihrer frappierenden Ähnlichkeit zu Darstellungen des toten Christus etwa von Andrea Mantegna - wurden in Zeitungsberichten als Abbild eines modernen Heiligen interpretiert, der zweimal sein Leben für fremde Länder riskiert hatte und es für ein drittes dreingegeben habe. Régis Debray, der Che in Bolivien begleitet hatte, bezeichnete Guevara als Mystiker, als Heiligen ohne Gottesglauben. Guevaras Beschwörung des „Neuen Menschen“, dem weniger am materiellen als am geistigen Fortschritt gelegen sei, sei anderen zufolge eher jesuitischen als linken Idealen verpflichtet gewesen.[36] Wolf Biermann sang vom „Comandante Che Guevara“ als „Christus mit der Knarre“ und trug im deutschen Sprachraum mit seiner Interpretation des ursprünglich vom kubanischen Cantautor Silvio Rodriguez vertonten Gedichts Carlos Pueblas zur Mythologisierung Guevaras bei. Che selbst wird im Umfeld seines Todesortes in Bolivien wie ein religiöser Heiliger verehrt.[37] [...]

Reinhard Mohr sprach von „politisch auf ganzer Linie gescheitert, als Ikone unsterblich“[39] angesichts des seiner Ansicht nach quasireligiösen Umgangs mit Guevara, der unter anderem von Jean-Paul Sartre posthum als „vollständigsten Mensch unserer Zeit“[39] beschrieben worden war. Die Verklärung des Che wird als Umdeuten eines kämpferischen Kommunisten in eine beliebige Ikone des Unangepasstseins kritisiert, andere sehen einen kompromisslosen Stalinisten unter der Maske des zeitlosen jugendlichen Helden kaschiert. Stephan Lahrem und Christopher Hitchens zufolge sei Che ein beliebtes idealisiertes Vorbild gewesen, weniger in den Entwicklungsländern als vielmehr für bürgerliche Städter in den „Wohlstandsgesellschaften“, gerade weil sein Kämpfen und Sterben für revolutionäre Ideale keineswegs einem normalen bürgerlichen Leben entsprach. [...]

Bis heute ist das in vielen Variationen verbreitete, stark kontrastierte Abbild Ches mit Barett, rotem Stern und einem über den Betrachter hinwegweisenden Blick zu einer der bekanntesten Aufnahmen des 20. Jahrhunderts geworden. Das Bild wurde von dem kubanischen Fotograf Alberto Korda bei einem Staatsbegräbnis am 5. März 1960 aufgenommen, bei dem Guevara neben anderen offiziellen Trauergästen auf einer Tribüne stand. Nach dem Tod Guevaras wurde das Foto vom Verleger Giangiacomo Feltrinelli weltweit verbreitet. [...]

Guevara wurde darüber hinaus Folter und Ermordung hunderter kubanischer Häftlinge, der Mord an Kleinbauern im Operationsbereich seiner Guerillatruppen[44] sowie später Freude an der Exekution von Gegnern und die Einrichtung des ersten Arbeitslagers auf Kuba vorgeworfen.[45]

Eine entsprechende Beschreibung Guevaras als skrupellos und brutal in der linken taz[20] rief im Oktober 2007 erhebliches Aufsehen in der deutschen linken Szene hervor, nachdem solche Kritik sonst eher Exilkubanern und früheren Dissidenten aus dem ehemaligen Ostblock zugeordnet worden war. Ähnlich umstritten war die Deutung Gerd Koenens, der von „phantastischen Weltbrandstiftungsszenarien" Guevaras sprach, „die noch aus der ‚atomaren Asche‘ den Neuen Menschen entstehen sahen“.[46] [...]

Dem von ihm verkörperten Freiheitsideal widerspricht die häufig als stalinistisch definierte kompromisslose Politik gegenüber seinen Gegnern: Während seiner Zeit als Ankläger wurden in der als Gefängnis genutzten Festung La Cabaña als ehemalige Anhänger des Batista-Regimes, Kollaborateure oder Vertreter des US-Geheimdienstes beschuldigte Kubaner in revolutionären Militärtribunalen verurteilt. Diese zu Zeiten des Ausnahmezustands in der ersten Jahreshälfte 1959 abgehaltenen Verfahren entsprachen keinerlei rechtsstaatlichen Mindeststandards und lösten internationale Empörung aus. Über die Zahl der von Guevara direkt befohlenen Erschießungen gibt es keine genauen Angaben – 216 Fälle sind namentlich belegt, ein ehemaliger Angehöriger des Tribunals in La Cabaña geht von rund 400 aus, kubanische Oppositionelle rechnen teilweise mit wesentlich höheren Zahlen.[47][48][49] Die in den Folgejahren häufigen, auch international kritisierten Tötungen rechtfertigte Guevara 1964 ausdrücklich in einem Debattenbeitrag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der Bemerkung, Kuba befinde sich in einem Kampf auf Leben und Tod.[50] Als Industrieminister schickte Guevara zahlreiche, „mangelnder revolutionärer Moral“ beschuldigte Mitarbeiter ohne Gerichtsurteil in das sogenannte „Lager für Besserungsarbeit“ auf der Halbinsel Guanahacabibes, einem der ersten von mehreren hundert in den ersten Revolutionsjahren entstandenen Zwangsarbeitslagern.[51][52]

» Che Guevara

Oje - das habe ich alles nicht gewusst: Darf man sich über die » RAF wundern? Siehe auch » Schlagschatten -- Che Guevara, sexy Scharfrichter von » Wolf Schneider.

Just a pretty face?

For 40 years he has been a sex symbol, heroic victim and the ultimate poster boy of revolutionary chic. [...]

Almost 40 years on, the wave of romantic revolutionary idealism Che helped ignite seems as unreal as Alice's wonderland, and the Communist ideology that inspired it dated and anachronistic. [...]

He has become a global brand.

The Observer, Sunday 11 July 2004: » Sean O’Hagan

In diesem Fall soll er helfen, eine Wohnung zu verkaufen.

Der Wikipedia-Artikel verweist auch auf einen Spiegel-Beitrag mit dem Titel » Auch Christus hätte zum Gewehr gegriffen, anscheinend eine Serie aus dem Jahr 1968. Der erste Teil avancierte wohl zur Titelgeschichte, das Titelblatt präsentiert den Helden als Christus, die drei Buchstaben CHE gemahnen an GOTT, was sicher gewollt ist, er wird als „Erlöser aus dem Dschungel“ bezeichnet.

Welch ein Irrtum! Wie kann man nur! Christus hätte mit Sicherheit nicht zum Gewehr gegriffen, und wie wir wissen, hat Che Guevara ja auch nichts erreicht, auch damals schon nicht, was man von Jesus Christus nicht behaupten kann, im Gegenteil: Hätte der zu seiner Zeit zu Gewaltmaßnahmen gegriffen (was seine Zeitgenossen durchaus erwartet hätten und was andere bekanntlich auch getan haben, mit der fatalen Folge der endgültigen Vertreibung der Juden in alle Welt), hätte er nichts erreicht. Daraus kann man nur schließen, dass diese Autoren keine Ahnung haben, worüber sie schreiben.


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  Museumsszenario   No. 156   Top   No. 154 Nachtrag Museumsszenario, 18.11.2012


No. 31 » 121 63x49cm, 06.03.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 120 70x45cm, 06.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 31 » 121 63x49cm, 06.03.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 120 70x45cm, 06.03.1974
 


No. 32 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 32 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 33 » 148 90x66cm, 19.04.1974  » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 147 80x63cm, 29.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 33 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 147 80x63cm, 29.04.1974
 


No. 34 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 34 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


No. 35 » 136 90x52cm, 07.03.1974  » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 122 90x52cm, 07.03.1974  · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 35 » 136 90x52cm, 07.03.1974 sold/verkauft » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 122 90x52cm, 07.03.1974 sold/verkauft
 


No. 36 » 133 104x80cm, 01.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 135 104x80cm, 07.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 36 » 133 104x80cm, 01.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 135 104x80cm, 07.04.1974
 


No. 37 » 134 80x99cm, 02.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 132 80x100cm, 31.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 37 » 134 80x99cm, 02.04.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 132 80x100cm, 31.03.1974
 


No. 38 » 115 123x96cm, 28.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 129 123x96cm, 18.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 38 » 115 123x96cm, 28.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 129 123x96cm, 18.03.1974
 


No. 39 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 128 100x76cm, 16.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 39 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 128 100x76cm, 16.03.1974
 


No. 40 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 116 130x122cm, 01.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 40 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 116 130x122cm, 01.03.1974
 


No. 41 » 107 101x123cm, 13.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 112 101x123cm, 20.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 41 » 107 101x123cm, 13.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 112 101x123cm, 20.02.1974
 


No. 42 » 108 129x119cm, 14.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 105 122x94cm, 08.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 42 » 108 129x119cm, 14.02.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 105 122x94cm, 08.02.1974
 


No. 43 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 43 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


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