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No. 143
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No. 141
16.03.2011
Der Harlekin ist in mehreren bedeutenden Werken von Picasso gefeiert worden. Das ist meiner.
*
Ja, das ist wohl wahr, aber ich war nicht stolz darauf. Wenn ich das Bild nüchtern betrachte, einfach nur als Bild, als Bild von irgendwem, finde ich es sehr gut. Aber für mich war es zu wenig. Das Bild hat natürlich etwas Geschmäcklerisches, etwas Manieriertes, es ist delikat, aber nicht existenziell. Es ist eine Spielerei, mehr oder weniger virtuos. Es fehlt ihm das Gewicht.
Diese Art von Spielerei kommt natürlich auch bei anderen vor, insbesondere bei Picasso und dort bei seinen Harlekinen, was natürlich auch andere gemerkt haben, weshalb diese Bilder nicht so berühmt sind wie die furchtbaren und lediglich dazu dienen, den unbedarften Bildungsbürger zu beruhigen und ihm zu beweisen, das Picasso auch was konnte, was dieser versteht.
Dazu hat Picasso immer wieder auch ganz prominent die Hände ins Bild gesetzt, wie ich es auch bei diesem Bild getan habe. Diese Hände sind sehr beeindruckend, sehr schön. Hände galten allgemein in der Malerei als schwierig; ich weiß nicht, ob sie als schwieriger galten als das Gesicht, aber jedenfalls waren die Tarife bei Portraits gestaffelt nach der Anzahl der Hände, die dargestellt werden mussten. Ist das nicht merkwürdig?
Wenn man das weiß, versteht man, warum die Hände so oft versteckt worden sind - der Kunde wollte oder konnte einfach nicht dafür zahlen. Und wenn er das tat, wurden die Hände natürlich geradezu zelebriert. Als Beispiel und Beleg diene etwa das berühmte Portrait des Psychiaters
» Auguste Forel von
» Oskar Kokoschka aus der
» Kunsthalle Mannheim, dessen Präsentation der Hände fast debil anmutet.
 | | No. 2 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | |  | |
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|  | | No. 3 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 140 123x150cm, 18.04.1974 | |  | |
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Der Harlekin gehört eigentlich nicht in die Tradition der deutschen Kultur. Mir ist kein Bild eines deutschen Malers bekannt, das den Harlekin zum Thema hat - stimmt gar nicht:
» Karl Hofer muss mehrfach Harlekine gemalt haben, denn ich habe einen in Erinnerung, der nicht
» dieser ist. O.k., noch ein bisschen suchen - da ist er:
» Maskerade.
Aber dennoch war es sicher nicht dieser, der mich „inspiriert“ hat, sondern Picasso, und wo der den her hat, ist mir nicht klar, denn spanisch scheint mir der Harlekin nun auch nicht zu sein. Sehen wir es also als formale Übung, als akademisches Spiel. Und tatsächlich könnte man ja die Regeln dieses Spiels formulieren: Keine Buntfarben, Malen bis zum Rand, einfache Linien und Flächen, wenig Modulation.
Was ist dagegen einzuwenden? Picassos Harlekine haben auch keine tiefere Bedeutung und niemand fragt danach. Vor drei Tagen ist
» Leo Steinberg gestorben, erfahre ich aus der Wikipedia. Der Mann ist mir von
» Tom Wolfe ein Begriff, dessen Buch
The Painted Word. (1975, dt.
Das gemalte Wort. Moderne Kunst am Wendepunkt. Ullstein, Frankfurt/Berlin 1975, ISBN 3-550-05631-1;
Worte in Farbe. Kunst und Kult in Amerika. Knaur, München 1992, ISBN 3-426-04826-4) mir von
» Erich Engelbrecht empfohlen worden war.
| Tom Wolfe nannte ihn einen der Beherrscher der Schickeria (kings of Cultureburg); neben Clement Greenberg und Harold Rosenberg sei er der Beherrscher der New Yorker Kunstwelt gewesen. » Tom Wolfe | | |
Das Buch hatte mir großen Eindruck gemacht; es wies nach, dass die Kunstrezeption manipuliert wurde, und zwar von den genannten Intellektuellen. Mir ist nicht bekannt, dass die Vorwürfe jemals entkräftet worden wären. Es steht nicht viel in der Wikipedia über Steinberg, aber der folgende Satz ließ mich aufmerken:
| 1995/96 hielt er an der Harvard University die Charles Eliot Norton Vorlesungen The Mute Image and the Meddling Text, Das stumme Bild und der störende/sich einmischende Text. » Leo Steinberg | | |
Das heißt doch, dass das Bild für sich selbst sprechen muss, und dass der Kritiker gefälligst die Klappe halten sollte. Oder verstehe ich hier etwas falsch? Im übrigen halte ich die These für falsch. Wir können uns unter anderem auch durch Sprache austauschen, und tatsächlich findet der Austausch über intellektuelle Inhalte überwiegend über Sprache statt. Als Kritiker und Kunsthistoriker kann er nicht gemeint haben, dass man über Bilder nicht reden und schreiben darf.
Andererseits könnte ich gut verstehen, wenn sein Ansatz darauf aufmerksam machen wollte, dass man mit Sprache Bilder nicht erreichen kann, dass das, was die Kunst ausmacht, durch Sprache nicht zu fassen ist, dass der Intellekt, so tief er graben mag, dass Eigentliche der Kunst nicht erfassen kann.
Insofern befinde ich mich mit all meinem Denken und Schreiben auf verlorenem Posten. Na ja, nicht ganz, denn Sprache kann die Augen öffnen, kann hinführen zur Kunst, und das ist ja auch schon etwas. Ich muss mich nur selbst immer wieder disziplinieren und mir vor Augen führen, dass all das Gerede eigentlich nicht das Wesentliche ist. Das Werk muss für sich selbst sprechen. Lassen wir
142 sprechen.
 | | No. 5 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | |  | |
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Erst jetzt, wo Vorder- und Rückseite nebeneinander hängen, fällt mir die Ähnlichkeit der Haltungen auf.
 | | No. 6 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 140 123x150cm, 18.04.1974 | |  | |
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|  | | No. 7 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 112 101x123cm, 20.02.1974 | |  | |
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|  | | No. 8 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 139 80x99cm, 16.04.1974 | |  | |
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Der
» Cranach ist natürlich schön und wirksam und erstaunlich frei und souverän. Den kann man sich auch ganz genau von nahem angucken. Freilich ist es einfach ein leeres, höfisches Portrait ohne jeglichen Tiefgang, und daher hinterlässt die Betrachtung unvermeidlich ein schales Gefühl. Da hilft auch das viele Gold nicht, dass er dieser Frau umgehängt und angetan hat.
Ist es nicht fantastisch, dass wir uns auf Knopfdruck die feinsten Kunstwerke der Welt in Übergröße auf den Bildschirm holen und in aller Ruhe betrachten können? Haben Sie sich mal die Fingernägel dieser Frau angeschaut? Ich wünschte, ich könnte Reproduktionen dieser Qualität von meinen Bildern bereitstellen.
» Juan Gris kann mir immer wie ein pedantischer Möchtegern vor, dieser Harlekin wirkt wie eine Hausarbeit aus der Grafikschule, so etwa auf
» Bauhaus-Niveau und genauso flach. Das waren alles Künstler!
Bei dieser Gelegenheit fällt mir natürlich
» Daniel-Henry Kahnweiler ein. Er hielt ja bekanntlich große Stücke auf Gris. Vermutlich war er genau so ein Kleinkrämer, der mit dem Intellekt an die Sache heranging. Als Händler für den frühen
» Kubismus war er an dieser Stelle natürlich genau der richtige Mann.
Mein Gott, was habe ich mir
Wundersames, Großartiges, Bedeutsames, Bedeutendes unter dem Kubismus vorgestellt! Und was für ein armseliges Zeug das ist, wagt heute noch keiner zu sagen. Alle berufen sich auf
» Cézanne und verkünden, dieser sei der wahre Meister, dabei ist das meiste von dem einfach schlicht unerträglich.
Ach du lieber, mit welchen Geburtsschmerzen ist die Moderne Kunst geboren worden! Ich bin ja selber ein moderner Künstler und käme nie auf die Idee, das Rad zurückdrehen zu wollen. Aber wie man das Ganze bewertet, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.
Der
» Greco macht natürlich was her, doch von Nahem betrachtet ist er arg sentimental und verlogen, geradezu widerwärtig. Man beachte wieder die Hände! Sie taugen zwar nicht viel, sind aber marketingtechnisch brillant präsentiert.
Gut, alle Vergleiche und alles Gerede können aber nicht davon ablenken, dass
142 nicht viel taugt. Es ist vergleichsweise lebendig gemalt, aber doch eben auch ziemlich inhaltsleer oder besser: nicht ganz gefühlsecht.
Ich habe überlegt, ob das daran liegt, dass man den Gesichtsausdruck aus der Ferne nicht recht erkennen kann, aber das wird es nicht sein. Denn der ist ja ohnehin nicht so besonders ergiebig.
Die Ähnlichkeit mit
141 fällt ins Auge, aber im Vergleich fehlt hier die humorvolle Komponente. Es sind ja zwei Gesichter, eigentlich zwei Profilflächen, die unterschiedlichen Ausdruck haben. Irgendwie fragen beide Gesichter nach schräg oben, und das linke Auge (sein rechtes) blickt zurück.
Der Körper selber wirkt voluminös, vor allen Dingen durch die Hände, die relativ naturalistisch gezeichnet sind, im Gegensatz zum Gesicht. Wenn ich es recht bedenke, ist bei der Betrachtung der bildschirmfüllenden Darstellung nicht zu übersehen, dass der Blick von den Händen zum Gesicht geleitet wird.
Die vordere helle Hälfte des Gesichts scheint zu fragen, während die dunkle hintere ängstlich auf Antwort zu warten scheint. Wer ist da angesprochen? Vielleicht ist das Bild doch nicht so ganz ohne. Wenn man darauf achtet, kann man diesen Blick nach oben sogar in der verkleinerten Fassung erkennen.
Vielleicht noch ein letzter Hinweis: Der Harlekin hat eine sehr merkwürdige, interessante und dekorative Kopfbedeckung.
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Nachtrag Wohnungsszenario, 22.02.2012
» Nachher/vorher: einblenden. Eine kleine Kunstbibliothek. Man kann sogar den Titel eines Buches lesen: „Goodbye Picasso“.
 | | No. 19 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 95 61x51cm, 23.01.1974 |  | |
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» Nachher/vorher: einblenden. Was ist das? Ein privater studentischer Gruppenarbeitsraum?
» Nachher/vorher: einblenden. Loft Tour: Orderly Display in a
» Philadelphia Loft. Frank and Ditta Hoeber haben
» Wb3 Design beauftragt, um ihre Buch- Kunst und Objektsammlung zur Geltung zu bringen. Da frage ich mich, warum sie in diesem riesigen Raum nur einen leeren Rahmen aufhängen (siehe auch
» 42,
» 48). Vermutlich ist das Design: Bilder sind persönlich und gehören deshalb nicht hierher; die leeren Rahmen sind Platzhalter für die später hier aufzuhängenden Bilder.
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No. 141 Nachtrag
Museumsszenario, 19.11.2012  | | No. 25 | | » 140 123x150cm, 18.04.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 |  | |
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|  | | No. 26 | | » 136 90x52cm, 07.03.1974  | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 122 90x52cm, 07.03.1974  |  | |
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|  | | No. 27 | | » 133 104x80cm, 01.04.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 135 104x80cm, 07.04.1974 |  | |
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|  | | No. 28 | | » 134 80x99cm, 02.04.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 132 80x100cm, 31.03.1974 |  | |
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|  | | No. 29 | | » 115 123x96cm, 28.02.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 129 123x96cm, 18.03.1974 |  | |
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|  | | No. 30 | | » 127 123x80cm, 11.03.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 128 100x76cm, 16.03.1974 |  | |
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|  | | No. 31 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 119 130x122cm, 05.02.1974 |  | |
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|  | | No. 32 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 116 130x122cm, 01.03.1974 |  | |
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|  | | No. 33 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 112 101x123cm, 20.02.1974 |  | |
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|  | | No. 34 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 105 122x94cm, 08.02.1974 |  | |
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|  | | No. 35 | | » 100 69x169cm, 29.01.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 |  | |
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|  | | No. 36 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 99 84x65cm, 29.01.1974 |  | |
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|  | | No. 37 | | » 19 80x60cm, 01.08.1973 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 37 80x60cm, 07.11.1973 |  | |
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|  | | No. 38 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 20 66x131cm, 20.08.1973 |  | |
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|  | | No. 39 | | » 142 122x81cm, 24.04.1974 | | » 4a 210x130cm, 01.12.1968  |  | |
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