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15.03.2011
Nun aber kommt die Lust an der Anverwandlung der Errungenschaften Picassos erneut zum Zuge. Als Fingerübung nicht schlecht.
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Der Ausdruck
Anverwandlung ist vielleicht gar nicht unpassend. Ich wüsste nicht, dass Picasso jemals ein Gesicht oder Hände in dieser Art gemacht hätte. Dennoch ist dieses Bild ohne Picassos Vorbild nicht denkbar.
Angesichts der Vorgänge um die
» Plagiatsaffäre Guttenberg und die sich daran offenbarende Unkenntnis dessen, was ein Plagiat ist, worum es sich bei geistigem Eigentum handelt, was eine geistige Schöpfung überhaupt ist und warum diese geschützt werden muss, sollte ich hier vielleicht ein paar Worte aus Künstlersicht verlieren.
Musiker, Schriftsteller und Maler reagieren ununterbrochen auf die Hervorbringungen ihre Kollegen, lebender und toter. Kultur wird nicht im luftleeren Raum produziert, sondern innerhalb einer Tradition, deren Tiefe im allgemeinen nicht bestimmt werden kann.
Wie auch in der Wissenschaft ist es in der Regel vollkommen unmöglich, ein Versatzstück aus Produktionen anderer Künstler als Eigenes auszugeben, sofern nicht die zusätzliche eigene Schöpfungshöhe dies rechtfertigt.
Wenn also
» Bert Brecht sich frei dazu bekannt hat, überall zu „klauen“, wie es ihm beliebt, und Picasso bei seinen Kollegen gefürchtet war, weil ihre Motive nach einem Atelierbesuch in seinen Werken auftauchten, so handelt es sich hier um ein Missverständnis hinsichtlich schöpferischer Tätigkeit.
Der Schnurrbart, den
» Marcel Duchamp der Mona Lisa anmalte, war kein Plagiat und er hat die Mona Lisa damit auch nicht „geklaut“. Die Schöpfungshöhe seiner Tat war äußerst gering, damit hätte er einen „Diebstahl“ auch nicht rechtfertigen können. Er hat die Mona Lisa einfach benutzt, oder genauer gesagt eine Reproduktion des Gemäldes.
In diesem Sinne sind Collagen von Abbildungen anerkannter Kunstwerke neue Schöpfungen von normalerweise sehr geringer Originalität, von Diebstahl kann aber keine Rede sein, obwohl das Verfahren rein äußerlich dem Vorgehen des Freiherrn sehr ähnelt. Und auch wenn Brecht oder Shakespeare oder Picasso Motive aufgreifen, die andere ebenfalls behandelt haben, handelt es sich nicht um Plagiate.
Ich habe bei diesem Bild nun nicht direkt auf bekannte oder unbekannte Gemälde oder Zeichnungen Picassos zurückgegriffen, trotzdem kann man im Sinne Brechts oder Picassos von „Diebstahl“ sprechen, insofern nämlich als dieses Bild ohne Picasso nicht entstanden und denkbar wäre.
Trotzdem handelt es sich um eine völlig eigenständige Leistung, und so ist es auch im Falle Picassos oder Shakespeares oder Brechts. Jede Kulturleistung befruchtet andere Kulturleistungen, mehr oder weniger. Niemand hat Sprache erfunden, jeder benutzt dieselben Worte, aber damit ist nicht zu begründen, dass jeder ein Plagiator ist. Dasselbe gilt für die Musik - es sind immer dieselben Noten, und Musiker haben sich immer von Werken ihrer Kollegen „inspirieren“ lassen. Das ist vollkommen legitim.
Im übrigen gehört zum Plagiat die Absicht, sich Leistungen erschleichen zu wollen. Die künstlerischen Leistungen, die von anderen künstlerischen Leistungen angeregt worden sind, wollen natürlich ebenfalls anerkannt werden, aber nicht indem die Originalleistung als eigene ausgegeben wird, sondern deren Verarbeitung oder Anverwandlung, womit eine eigenständige Schöpfung gemeint ist, die sich der (stilistischen) Mittel des Kollegen bedient.
Am deutlichsten wird der Unterschied im Kabarett. Wenn ein Kabarettist einen anderen parodiert, begeht er ja kein Plagiat, sondern er benutzt die Sprechweise, die Inhalte, die Worte des Parodierten, um dadurch eine Distanz zum Vorbild herzustellen und seine Botschaft deutlich zu machen.
Mein Bild entbehrt aber jeglicher Anflüge zur Parodie, zur Kritik, zum Kommentar. Es präsentiert sich vollkommen ernsthaft wie ein Picasso, der sich selbst ja nie auf die Schippe genommen hat und auch die schlimmsten Verfremdungen vollkommen ernst meinte.
Was an diesem Bild deutlich wird, nennt man auch
Einfluss. Viele Künstler stehen unter dem Einfluss anderer Künstler, und meistens sieht man das auf den ersten Blick. Üblicherweise wird das in der Zunft sehr kritisch und negativ gesehen. Man nennt so etwas
» epigonal und hält es - zumindest hierzulande - für wertlos.
» Jackson Pollock war beispielsweise in seinem Frühwerk enorm von Picasso beeinflusst. Erst als er etwas vollkommen anderes machte, nämlich flüssige Farbe auf Leinwände tropfen ließ, nahm ihn die Kunstwelt ernst, obwohl sowohl die Tätigkeit als auch das Ergebnis deprimieren banal waren.
In diesem Sinne nahm ich mein eigenes Bild nicht ernst, obwohl es doch eigentlich sehr gut ist. Der tiefere Grund wird aber vermutlich sein, dass ich mich mit diesem Monster nicht identifizieren konnte. So faszinierend die Erfindung sein mochte, so absurd schien sie mir, und Absurdität konnte mir kein Ziel sein. Ich suchte Wahrheit, Tiefe, Herzblut.
 | | No. 1 | | » 140 123x150cm, 18.04.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | |  | |
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|  | | No. 2 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 140 123x150cm, 18.04.1974 | |  | |
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Mein armes, missachtetes Bild hält es gut an der Wand aus, sogar mit dem
» Leibl. Haben Sie bemerkt, dass auch dieses Bild sehr humorvoll ist? Man muss freilich hinschauen. Ich wüsste nicht, dass Picasso irgendwo humorvoll ist, es sei denn er produziert eine Karikatur. Dass ich selbst Humor habe, war mir gar nicht bewusst. Etwa 25 Jahre später sagte mir jemand dies auf den Kopf zu, und ich wollte es nicht glauben. Aber jetzt sehe ich es, immer wieder.
Noch ein bisschen testen, andere Rahmen, andere Partner.
 | | No. 5 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 120 70x45cm, 06.03.1974 | |  | |
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|  | | No. 6 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 87 38x28cm, 16.01.1974 | |  | |
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|  | | No. 7 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 22 70x43cm, 28.09.1973 | |  | |
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|  | | No. 8 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 58 60x40cm, 08.12.1973 | |  | |
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|  | | No. 9 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 59 80x80cm, 12.12.1973 | |  | |
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Ich bin zufrieden. An der virtuellen Wand kann ich dieses Bild ehren. Im wirklichen Leben hatte ich vermutlich immer zu viele Bilder, zu viele, die ich diesem vorgezogen habe. Außerdem wusste ich noch nicht, wie ich sie - ganz praktisch - aufhängen sollte.
Später habe ich mir dann eine Konstruktion ausgedacht, die sowohl Rahmen als auch Halt für doppelseitig gemalte Bilder auf Hartfaser ist und die beidseitige Präsentation erlaubt - und nicht zuletzt als Schutz dient. Wenn man die Bilder nämlich ungerahmt aufbewahrt, das heißt stapelt, werden sie notwendigerweise beschädigt. Diese Konstruktion hat sich im Großen und Ganzen bewährt und funktionierte sogar bei sehr großen Tafeln, die nicht nur ein erhebliches Gewicht besitzen, sondern auch äußerst wenig verwindungssteif sind.
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Nachtrag Wohnungsszenario, 21.02.2012
» Nachher/vorher: einblenden. Hier hatte jemand die Wand mit einem Spruch verziert, der witzig sein sollte, vermutlich aber nach kurzer Zeit einfach nur nervt.
» Nachher/vorher: einblenden.
» A Manhattan Apartment Makeover by
» Shelton, Mindel & Associates (siehe auch
» 124). Die drei kleinen Bilder, die ich abgehängt habe, wirken in dieser pompösen Umgebung doch arg dürftig.
» Nachher/vorher: einblenden. Wo dieses Haus wohl steht? Ah, der Dateiname verrät es:
» barbados-house-7.jpg.
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No. 140 Nachtrag
Museumsszenario, 23.11.2012  | | No. 21 | | » 140 123x150cm, 18.04.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 |  | |
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|  | | No. 22 | | » 136 90x52cm, 07.03.1974  | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 122 90x52cm, 07.03.1974  |  | |
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|  | | No. 23 | | » 133 104x80cm, 01.04.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 135 104x80cm, 07.04.1974 |  | |
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|  | | No. 24 | | » 134 80x99cm, 02.04.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 132 80x100cm, 31.03.1974 |  | |
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|  | | No. 25 | | » 115 123x96cm, 28.02.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 129 123x96cm, 18.03.1974 |  | |
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|  | | No. 26 | | » 127 123x80cm, 11.03.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 128 100x76cm, 16.03.1974 |  | |
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|  | | No. 27 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 119 130x122cm, 05.02.1974 |  | |
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|  | | No. 28 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 116 130x122cm, 01.03.1974 |  | |
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|  | | No. 29 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 112 101x123cm, 20.02.1974 |  | |
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|  | | No. 30 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 105 122x94cm, 08.02.1974 |  | |
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|  | | No. 31 | | » 100 69x169cm, 29.01.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 |  | |
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|  | | No. 32 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 99 84x65cm, 29.01.1974 |  | |
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|  | | No. 33 | | » 19 80x60cm, 01.08.1973 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 37 80x60cm, 07.11.1973 |  | |
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|  | | No. 34 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 20 66x131cm, 20.08.1973 |  | |
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|  | | No. 35 | | » 141 122x81cm, 19.04.1974 | | » 4a 210x130cm, 01.12.1968  |  | |
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